Zertifikatskurs Digitaler Pflanzenbau

Idee & Vision

Eines der wichtigsten Zukunftsthemen in der Landwirtschaft ist die Digitalisierung. Denn mit steigendem Wettbewerbsdruck bei gleichzeitig zunehmenden Umweltanforderungen sowie der Notwendigkeit, Managementprozesse zu optimieren, erhöhen sich die Anforderungen an Betriebsleiter. Entscheidungen müssen aufgrund wachsender Betriebsgrößen immer häufiger ohne direkten Bezug zum Feld und der direkten Beobachtung des Pflanzenbestandes gefällt werden. Damit verschiebt sich der Anteil von erfahrungsbasierten Handlungen hin zu Entscheidungen auf der Grundlage von Informationen und Regeln. Es ergibt sich die Notwendigkeit für einen informationsgeleiteten, regelbasierten sowie automatisierten Pflanzenbau – dem Precision Farming.

Die landwirtschaftlichen Bildungseinrichtungen im Freistaat Sachsen widmen sich zunehmend diesem Thema, jedoch existiert aktuell noch kein Angebot für bereits im Beruf tätige Betriebsleiter und Nachwuchskräfte, das einen vollständigen Methodenüberblick mit praktischer Umsetzungskomponente ermöglicht. Diese Lücke möchten wir mit dem Zertifikatskurs „Digitaler Pflanzenbau im Jahreszyklus“ schließen. Dabei handelt es sich um einen komplett neuen Fortbildungsansatz mit hoch innovativen Inhalten für landwirtschaftliche Praktiker. Der komplexe Wissenstransfer, in Kombination mit praktischen Umsetzungen ist in Sachsen, Deutschland und Europa einzigartig.


Vorteile

Als Teilnehmer des Zertifikatskurses „Digitaler Pflanzenbau im Jahreszyklus“ lernen Sie innerhalb einer Saison, angefangen im Juli eines Jahres, und anhand der agronomischen Grundlagen, sämtliche Möglichkeiten und Vorteile des Precision Farmings kennen. Besonderen Wert legen wir dabei auf den Transfer neuester Erkenntnisse aus abgeschlossenen und laufenden EIP-Agri-Projekten. Hierzu werden in den Modulen themenspezifisch ausgewählte Partner diese Inhalte vermitteln und sie gemeinsam mit Ihnen diskutieren.

Ein sehr wichtiger Bestandteil des Zertifikatkurses ist darüber hinaus die Übertragung des erlangten Wissens in der landwirtschaftlichen Praxis. Jedes Modul ist daher wir folgt gegliedert: (1) Vermittlung agronomischer Zusammenhänge, (2) digitale Erfassung erforderlicher Daten, (3) praktische Übung zur digitalen Prozessplanung sowie (4) Umsetzung des Erlernten auf dem eigenen Betrieb unter Anleitung eines Trainers. Die in den Seminaren vermittelte Theorie kann also direkt erprobt und genutzt werden.


Aufbau

Precision Farming entfaltet seine vollständige Wirkung im Komplex. Deshalb ist der Anspruch des Zertifikatskurses, den durchgängig informations- und regelbasierten Pflanzenbau über den gesamten Jahreszyklus hinweg darzustellen. Die Module sind in sich geschlossen, bauen jedoch aufeinander auf. 

Im Grundlagenmodul werden zu Beginn des Zertifikatskurses die generelle Grundsätze des digitalen Pflanzenbaus behandelt. Dabei werden verschiedene, derzeit am Markt verfügbare Systeme systematisch präsentiert und hinsichtlich Wirtschaftlichkeit, Umweltwirkung und Betriebsleiterentlastung evaluiert. So erhalten Sie als Teilnehmer einen umfangreichen Überblick über die Möglichkeiten im Precision Farming. Darüber hinaus beinhaltet das Modul einen Überblick über den gesamten Arbeitsablauf während einer Saison. Sie erfahren, wann Sie welches digitale Werkzeug wo und wie im Ackerbau einsetzen müssen, um ressourcenschonend eine ertragreiche Ernte einfahren zu können.

In diesem Modul werden zunächst Grundlagen der Bodenkunde aufgefrischt. Darauf aufbauend beleuchten wir den wissenschaftlichen Stand zur Ermittlung des Grunddüngerbedarfs und seinen Einfluss auf Pflanzenwachstum und Ertrag. Sie werden darin geschult, eigenständig und mithilfe einer speziellen Software, Düngeplanungen durchzuführen und teilflächenspezifische Streukarten zu erstellen. Dazu gehören unter anderem die Bodenprobenahme, die Analyse im Labor sowie das Datenmanagement. All dies führen wir gemeinsam und unter realen Bedingungen durch.

Mit Hilfe des theoretisch und praktisch vermittelten Wissens sind Sie am Ende des Moduls „Grunddüngung“ imstande, das wirtschaftliche Potential einer teilflächenspezifischen Applikation von Grundnährstoffen zu bewerten. Sie entwickelt zudem eine eigene Strategie für die Grunddüngung auf Ihrem eigenen Betrieb. Dabei begleiten wir Sie intensiv, insbesondere im Hinblick auf rechtliche Rahmenbedingungen. Alle Teilnehmenden können später in der Praxis den wirtschaftlichen Nutzen einer teilflächenspezifischen Grunddüngung optimal für sich nutzen.

„Wie die Saat, so die Ernte“ – dieser alte Merksatz hat in Zeiten digitaler Verfahren wieder verstärkt an Bedeutung gewonnen. Daher werden im Modul „Aussaat“ zu Beginn die so wichtigen Grundlagen des Saatmanagements wiederholt. Dazu zählen unter anderem an die äußeren Bedingungen angepasste Sortenwahl, Saatzeiten und Saatmengen. Wir diskutieren daraufhin mögliche digitale Bestimmungsgrößen für eine variable Aussaat (Bodenzonenkarten, Ertragskarten, Relief oder auch N-Aufnahmekarten) und ihr wirtschaftliches Potential. Praktisch wird es dann bei der Saatplanung. Hier erstellen Sie unter Anleitung mit den richtigen Algorithmen in einer speziellen Software Saatkarten für Wintergetreide und Mais und setzen diese später auch direkt auf dem Feld um.

Nach der Durchführung des Moduls sind alle Teilnehmenden in der Lage, Saatkarten für ihren eigenen Betrieb zu erstellen, die dafür notwendige Berechnungsgrundlage auszuwählen und zu bewerten. Außerdem können Sie sich anhand vermittelter Kennzahlen zu Saatmengenabstufungen im für Sie wirtschaftlich optimalen Bereich bewegen.

Speziell die Stickstoffdüngung hat wesentlichen Einfluss auf die Ertragsbildung in Raps und Getreide. In der modernen Landwirtschaft wird dabei verstärkt die Heterogenität der Böden und der Pflanzen berücksichtigt. Im Modul „N-Düngung“ vermitteln wir Ihnen daher den aktuellen Stand des Wissens, nach welchen Parametern die teilflächenspezifische Stickstoffdüngung in unseren Ackerkulturen ausgerichtet werden kann. Wir diskutieren darüber, wie Anbauverfahren an die sich ändernden klimatischen Bedingungen angepasst werden können und wie unter den aktuellen gesetzlichen Vorgaben auf ein ökonomisches Optimum hingearbeitet werden kann.

Für die Umsetzung der modernen Pflanzenernährung bietet der Markt verschiedenste Verfahren und Werkzeuge. In Kombination von Theorie, Vorführungen und praktischer Arbeit lernen Sie in diesem Modul die Vor- und Nachteile der sensor-, satelliten- oder drohnengestützten Stickstoffdüngung kennen. Wo liegen die wirtschaftlichen Potenziale digitaler Verfahren, welche pflanzenbauliche Parameter sollten wir am besten verwenden, welche Störgrößen können die Arbeit behindern – diese und weitere Fragen können Sie nach Beendigung des Moduls „N-Düngung“ beantworten. Zudem sind Sie in der in der Lage, die variable Stickstoffdüngung für Ihren eigenen Betrieb strategisch und inhaltlich zu planen und praktisch umzusetzen.

„Auf die Dosierung kommt es an“ – dies trifft im Ackerbau wohl am stärksten auf die Applikation von Pflanzenschutzmitteln zu. Während Herbizide und Insektizide nach dem Schadschwellenprinzip ausgebracht werden, hängt die Applikation von Fungiziden und Wachstumsreglern, genau wie die sensorgestützte N-Düngung, wesentlich von der aktuellen Bestandsentwicklung ab.

Aber wieviel Wachstumsregler benötigt nun ein „guter“ Weizenbestand, wieviel weniger ein „schlechter“? Spritze ich mir durch eine zu hohe Dosierung evtl. Ertrag weg? Wie stark kann ich bei der Applikation von Fungiziden die Menge reduzieren, ohne Resistenzen zu riskieren?

Im Modul „Pflanzenschutz“ behandeln wir genau diese und weitere Fragen. Wir vermitteln Ihnen wichtige Informationen, nach welchem pflanzenbaulichem Parameter Sie die Ausbringung planen und mit welchen digitalen Werkzeugen Sie sie durchführen sollten. In praktischen Übungen am Computer und auch direkt auf der Maschine erarbeiten Sie sich unter Anleitung das Wissen, wie die teilflächenspezifische Applikation von Wachstumsreglern und Fungiziden auf Ihrem eigenen Betrieb umgesetzt werden kann.

Nach Abschluss des Moduls wissen Sie, worin die Vorteile der teilflächenspezifischen Applikation von Pflanzenschutzmitteln liegen. Darüber hinaus sind Sie in der Lage, das Verfahren der variablen Pflanzenschutzmittelapplikation selbständig in der Praxis anzuwenden.

In diesem Modul vermitteln wir Ihnen zunächst betriebswirtschaftliches Grundwissen im Bereich der landwirtschaftlichen Basiskosten. Sie erlernen im Anschluss den Umgang mit elektrotechnischen Werkzeugen zur Erfassung von Daten, welche speziell zur Auswertung  von pflanzenbaulichen Produktionsprozessen herangezogen werden können. Schwerpunkt liegt hierbei auf der Darstellung, Analyse und Bewertung von Arbeitserledigungskosten.

Anhand eines technologischen Projektes, welches Sie über die gesamte Laufzeit des Zertifikatskurses aktiv begleiten, werden Ihnen die Analyse und die Bewertung von Arbeitserledigungskosten anhand realer Daten eines Praxisbetriebes näher gebracht. Grundlage für das technologische Projekt ist das Arbeiten mit einem digitalen Feldtagebuch, welches die Teilnehmer selbstständig führen.  Sämtliche Daten werden nach konkreten Fragestellungen aus Sicht eines Betriebsleiters analysiert und ausgewertet. So erlenen Sie den Umgang mit einem speziellen Dokumentationssystem.

Alle Teilnehmer kennen nach Abschluss des Moduls „Technologisches Projekt und digitales Feldbuch“ wesentliche Einsatzgebiete, Zielstellungen und Werkzeuge marktgängiger Dokumentationssysteme und können diese im eigenen Betrieb erfolgreich zum Einsatz bringen.

Nach über einem Jahr praxisorientierter Schulungen und Trainingseinheiten schließt der Zertifikatskurs mit einer drei-stufigen Prüfung. Diese umfasst die Inhalte aller sechs Module und besteht aus:

  • Theoretischer Prüfung (schriftlich)
  • Praktischer Prüfung (mündlich)
  • Präsentation der Projektarbeit

 

Im Vorfeld der Prüfung besteht für Sie die Möglichkeit, an einem umfänglichen Online-Repertorium teilzunehmen. Zudem stehen Ihnen unsere Lehrer und Trainer aus der landwirtschaftlichen Praxis beratend zur Seite.

Organisatorisches

Termine Modul Lehr- und Trainingstage
20.-23. Juli 2020 Modul 1 · Modul 2 · Modul 3 · Modul 6 4,0
11., 18. und 29. September 2020 Modul 2 · Modul 3 2,5
10.-11. November 2020 Modul 4 2,0
9.-10. Februar 2021 Modul 2 · Modul 4 2,0
13.-15. April 2021 Modul 3 · Modul 4 · Modul 5 3,0
5.-6. Mai 2021 Modul 4 · Modul 5 2,0
6. Juni 2021 Modul 4 1,0
1.-2., 9. Juli 2021 Modul 6 · Modul 7 3,0

Um dem Qualitätsanspruch einer praxisnahen und anwendungsorientierten Vermittlung der Wissensinhalte gerecht zu werden, ist die Teilnehmerzahl des Zertifikatskurses auf 12 Personen begrenzt. Es werden daher nur Bewerbungen berücksichtigt, die gemeinsam mit einem Lebenslauf sowie einem Motivationsschreiben erfolgen.

Bewerbungsschluss war der 5. Juli 2020. Sie können sich gerne bereits heute für den nächsten Zertifikatskurs (Beginn Juli 2021) bewerben.

Bewerbungsformular

Förderung

Die Kosten für die Entwicklung und die Durchführung des Zertifikatskurses „Digitaler Pflanzenbau im Jahreszyklus“, trägt der Freistaat Sachsen. Dadurch kann der Kurs in den Jahren 2020 und 2021 kostenfrei angeboten werden. Lediglich Reise- und Verpflegungskosten müssen von den Teilnehmern selbst übernommen werden. 

Der Zertifikatskurs wird aus Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des Ländlichen Raumes (ELER) gefördert. In Sachsen ist für die Durchführung der ELER-Förderungen das Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft, Referat Förderstrategie, ELER-Verwaltungsbehörde zuständig.

Partner des Zertifikatskurses